Startseite   ›  Magazin   ›  Richtige Action und unbeachtete Premieren: der Freitag am Zürich Openair 2013
Dienstag, 03. September 2013, 17:34 Uhr. elb. Der Schweizer Festivalsommer 2013 ist in seinen letzten Zügen: Zum Ausklang gab es dieses Wochenende am Zürich Openair mit den Nine Inch Nails und Franz Ferdinand noch einmal zwei Saisonhöhepunkte zu verbuchen. Teil 2 des Rückblicks: Der Freitag. Teil des neu gestalteten Geländes: Sitzbänke im Foodcorner. Photo: Eduard Meltzer / zVg., Zürich Openair Teil des neu gestalteten Geländes: Sitzbänke im Foodcorner.
Einen kuriosen Anfang hatte das Zürich Openair 2013 zum donnerstäglichen Auftakt mit sich gebracht. Die verspätete Türöffnung bescherte der US-Band Poliça eine knapp halbe Stunde lang eine merkwürdig anmutende Konzertatmosphäre in einem quasi leeren Zelt. Es war aber lediglich ein Umweg zu einem anschliessend gelungenen ersten Festivaltag in Rümlang mit einer spektakulären Bühnenshow der Nine Inch Nails als absolutem Highlight - nicht nur des gesamten Festivals, sondern seit längerer Zeit überhaupt. (» zurück zum Teil 1 des Rückblicks)

Mit der Show von Franz Ferdinand sollte im späteren Verlauf des Festivals noch ein weiterer Auftritt in die Reihe der besseren Schweizer Festivalkonzerte der Saison 2013 mitaufgenommen werden können. Dazu aber später mehr.

Zunächst galt es nämlich zu konstatieren, dass das Gelände von Donnerstag auf Freitag einen weiteren Feinschliff erhalten hatte. Tags zuvor noch vermisste Sitzgelegenheiten in Form von Bänken hatten in einer Ecke der Essensstände in vernünftigem Ausmass Platz gefunden, die Planen waren nun an ihren vorgesehenen Stellen befestigt.

Wenig Anlass zu Reklamationen
Rein von der Infrastruktur her gab es so bei der dritten Ausgabe des Zürich Openairs nur noch wenig auszusetzen. Die üblichen Wartezeiten an den Toiletten und Getränkeständen blieben in erträglichem Masse, genug Essensvariationen standen zur Auswahl. Lediglich beim Einlass soll es dem Vernehmen nach vereinzelt zu unnötigen Verzögerungen gekommen sein, und das Pfandsystem mit den Jetons an Schweizer Festivals ist und bleibt generell mühsam.

Dafür bewährte sich das im Vergleich zu den Vorjahren erneut neu angeordnete Festivalgelände: Kurze, mit ausreichend Platten ausgelegte Wege, trotz 20'000 Besuchern am ausverkauften Samstag ein nicht überfülltes Areal und der Wechsel zu einer weiteren Zeltbühne als sinnvolle Entscheidung. Das in seiner Dimension wohl etwas zu grosszügig ausgefallene Zelt trumpfte - vor allem am Donnerstag - mit einer bestens zur Geltung kommenden, üppig ausgestatteten Lichtanlage auf. Lautstärkemässig ging zwar die eine oder andere Show etwas unter, wo man aber eher dem schwatzenden Publikum oder den (teils bandeigenen) Soundtechnikern einen Vorwurf zu machen hatte als den Veranstaltern.

Mit rund 70'000 Besuchern realisierte das diesjährige Zürich Openair einen neuen Zuschauerrekord. Am besten besucht waren der (ausverkaufte) Samstag mit 20'000 und der Freitag mit 19'000 Zuschauern. Besonders auffallend: die vielen internationalen Gäste. Neben Schweizerdeutsch und Deutsch waren auch zahlreiche Französisch, Italienisch, Englisch, Holländisch, teils Russisch und eine Handvoll Rumänisch sprechende Zuschauer auszumachen, die zu einem äusserst friedlichen Festival beitrugen. Aggressionen schürten einzig die etlichen umherschwirrenden Wespen, deren Stiche von Sanitätern etwa 650 Mal (!) behandelt wurden.

Die Hitfabrik
Ihren stimmungsmässigen Höhepunkt erlebte die Hauptbühne am Zürich Openair 2013 am Freitagabend - im Anschluss an einen gefälligen, aber in der Abendsonne doch eher dahindümpelnden Auftritt der schottischen Belle And Sebastian. Ihre Landsleute, die Indie-Rockband Franz Ferdinand, nahmen bei ihrer mitreissenden Performance das Publikum von Anfang mit auf eine stimmungsvolle Zeitreise durch ihre drei alten Alben - mit Ausflügen von «The Dark Of The Matinée» über «Do You Want To» und «Walk Away» bis hin zu «Can't Stop Feeling» - und beglückten es zudem mit einer Reihe Songs vom jüngst erschienenen Werk «Right Thoughts, Right Words, Right Action», wobei sich die auf dem Album eher unscheinbare, aktuelle Single «Love Illumation» erstaunlicherweise besonders als Ohrwurm hervortat. Sie war denn auch Bestandteil eines furiosen Schlussfeuerwerks aus Hits, Hits und noch mehr Hits («This Fire», «Take Me Out» - eben «Love Illumination» - und «Ulysses»), das zum krönenden Ende die komplette Band von Sänger Alex Kapranos trommelnd um ihr Schlagzeug versammelte.


Video: Youtube / ehcb92

Wenige Stunden zuvor hatte auch der gebürtige Londoner S O H N auf der Zeltbühne zu glänzen gewusst. Mit klarer, schöner Soulstimme über vibrierendem Bass und vertrackten Beats kreierte der Wahlwiener zusammen mit seinen zwei Begleitmusikern einen faszinierenden Post-Dubstep-Sog, dem man sich nur zu gerne hingab. Trotz erst einer veröffentlichen EP ist der Hype um S O H N bereits gross. In diesen Tagen geht eine ausgiebige Festivaltour am Berlin Festival zu Ende, bald soll beim renommierten Label «4AD» (Bon Iver, The National & Co) sein Debütalbum erscheinen.

Ein anderer Newcomer machte ebenfalls von sich reden - sein Name: Tom Odell, 22-jährig, klavierspielender Sänger und seit seinem Charterfolg Anfang Jahr mit «Another Love» ein Begriff. Warum sein erstes Album «Long Way Down» vor wenigen Wochen gleich auf den zweiten Platz in der Schweizer Hitparade stürmte, liegt auf der Hand. Im Zuge der «Mumfordisierung» - der Ankunft der Folkbands und Singer-Songwriter im Mainstream - ist sein grosser Erfolg absolut nachvollziehbar. Gutes Handwerk am Piano gepaart mit melodiösen Songs: das kommt bei den kreischenden Fans ohrenscheinlich ganz gut an.

Untergegangen
Blass blieb dagegen der Headliner des Abends: die Arctic Monkeys. Vor einem sehenswerten, weil schlichten, aber doch auffälligen, blinkenden Bühnenhintergrund aus zu «A» und «M» geformten Lichterketten vermochte der Funke nicht richtig überzuspringen. Vielmehr blieben lediglich vier Momente aus dem Konzert in der Erinnerung haften: der Einstieg mit dem starken «Do I Wanna Know?» und «Brianstorm», der andere neue Song «R U Mine?» als Schluss vor dem Zugabenblock plus die beiden Klassiker «I Bet You Look Good On The Dancefloor» und «When The Sun Goes Down». Ob das an der viel zu geringen Lautstärke oder der unnahbaren Attitüde der Band lag, ist schwierig einzuordnen. Dass die allerersten Live-Performances überhaupt (!) zweier nagelneuer Songs («Arabella», «Why'd You Only Call Me When You're High?») genauso völlig untergingen, spricht ebenfalls nicht wirklich für einen sonderlich erquickenden Auftritt.


Video: Youtube / xodiva


Video: Youtube / MrSecretDoor
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