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Montag, 31. März 2014, 12:54 Uhr. elb. Ausverkauftes Haus, eine Band in einer eigenen Liga und verheissungsvolle Schweizer Aussichten: Das m4music in Zürich hat dieses Wochenende eine gelungene 17. Ausgabe über die Bühne(n) gebracht. Die Broken Bells stellten am m4music 2014 die anderen Acts in den Schatten. Photo: Alessandro Della Bella / Ennio Leanza (zVg., m4music) Die Broken Bells stellten am m4music 2014 die anderen Acts in den Schatten.
Strahlender Sonnenschein, knapp 20 Grad, Livemusik von einer Bühne. Der Kalender zeigt zwar erst Ende März und doch wähnt man sich schon mitten im Festivalsommer. Dafür verantwortlich: die «Showcase Stage», die das m4music dieses Jahr - zusätzlich zu den gewohnten vier Indoorlocations - erstmals unter freiem Himmel auf dem Vorplatz des Zürcher Schiffbaus errichtet hatte. Sie entpuppt sich für die Besucher als angenehmer Begegnungsort mit musikalischer Untermalung zum Verweilen und bietet den jungen Schweizer Acts auf der Bühne eine weitere gute Präsentationsplattform. Aber dazu später mehr.

Die Überflieger
Wenn man im Nachgang über das m4music 2014 sprechen wird, wird man zuallererst nämlich nicht um die Broken Bells herumkommen. Die US-Band spielte am Samstag in Zürich in vielerlei Hinsicht in einer eigenen Liga. Bereits das von runden Formen und kugelartigen Elementen geprägte Bühnenbild mit drei weissen Stehpulten (unter anderem für Sänger James Mercer und sein zeitweise am Bass oder auch am Schlagzeug agierendes Gegenüber Brian Burton) bewegte sich in seiner stimmigen Gesamtheit auf einem anderen Level als die restlichen Live-Produktionen des Wochenendes.

Dazu vermochte die musikalische Performance des auf der Bühne mit zwei weiteren Multiinstrumentalisten verstärkten Duos der hohen Erwartungshaltung problemlos standzuhalten. Eindrücklich zeigte sich da, wie Produzentenkoryphäe Burton seine aus verschiedensten Genres des vergangenen Jahrzehnts angereichterten Pop-Arrangements perfekt auf die stimmlichen Qualitäten Mercers zugeschnitten hatte.

Bern bringt den zweiten Höhepunkt
Das nächstbeste Ausrufezeichen bot ebenfalls der nominell eher etwas schwächer besetzte zweite Festivaltag. Das Live-Trio um den Berner Soundtüftler Pablo Nouvelle lieferte ein verblüffendes Set ab. In den ruhigen Phasen mit Keyboards und Soulsamples nicht weit vom stilprägenden James Blake entfernt, daneben aber mit vielen spannenden Facetten, sei es den beiden sich singend abwechselnden Mitmusikern Nouvelles, den zeitgemäss zwischen elektronischen, souligen und poppigen Klangwelten mäandrierenden Kompositionen oder einem geglückten SOHN-Remix.

Auf ähnlich modernen Pfaden ist das notabene ebenfalls in Bern ansässige Kollektiv Jeans For Jesus unterwegs. Die Gruppe brachte bei ihrem Auftritt am frühen Freitagabend auf der «Showcase Stage» die Liveumsetzung beachtlich nah an ihre an sich nicht gerade leicht umsetzbaren, weil vielschichtigen und spielerischen Produktionen.

Nah rangelassen
Den freitäglichen Höhepunkt am m4music setzte allerdings der australische Singer-Songwriter Ry X. Die Devise «Weniger ist manchmal mehr» erwies sich einmal mehr als schlagendes Argument. Trotz halbstündiger Verspätung wegen etlicher technischer Probleme schaffte es der Sänger innert kurzer Zeit mit seinen reduzierten Songs das Moods mit intimen Momenten zu verzieren. Da fühlte man sich ihm noch ein Stück mehr verbunden als den nicht minder überzeugenden Mighty Oaks, die zuvor an selber Stätte mit einem launigen und sympathischen Auftritt äusserst gut angekommen waren. Parallelen zu Mumford & Sons hin und her: Das multinationale Bandprojekt offenbarte, dass genug Eigeninitiative vorhanden ist, um nicht in die exakt selbe Neofolk-Schublade gesteckt werden zu sollen.

Derweil der Samstag mit der zwar dank ihrer visuellen Schlichtheit und Schwarz-Weiss-Ästhetik gefälligen, aber musikalisch auf die Dauer etwas anstrengenden Show Dillons und der generellen Programmierung durchaus einige Schwachstellen zu verzeichnen hatte, bot der Auftakt am Freitag stringentere Unterhaltung. Das Indie-Rockset der amerikanischen We Are Scientists erwies sich mit knackigen Riffs und einer Handvoll Hits als überraschend animierend. Und auch der Auftritt der infolge eines familiären Zwischenfalls kurzerhand zum Duo geschrumpften WhoMadeWho passte. Klar lässt sich ein Live-Drummer bei einem Elektro-Rockact nicht annähernd wirkungsvoll ersetzen, doch kompensierten die beiden Dänen den Ausfall in der spürbar besonderen Atmosphäre umso leidenschaftlicher.

Ausdruck, der Eindruck macht
Womit wir zuguterletzt bei der eingangs erwähnten «Showcase Stage» angekommen wären, welche sich bei besten äusseren Bedingungen zu einer mehr als valablen Alternative für das m4music mauserte. Das lag mitunter an den jungen Schweizer Bands, die auf dieser Bühne einen weiteren Schritt in die öffentliche Wahrnehmung machen durften. Neben den bereits angesprochenen Jeans For Jesus hinterliessen da auch andere Acts nachhaltigen Eindruck. So zeigte sich beispielsweise, was die nationale Szene in Sachen verrückter Frontleute derzeit bereit hält. Dem Ausdruck der extravaganten Ekat Bork konnte man sich irgendwann schlichtwegs nicht mehr entziehen und auch das stilistisch bei Muse und Queen anzusiedelnde Walliser Trio Kyasma punktete auf theatralisch vergleichbare Weise.

Wehende Haare, herumfliegende Gitarren und Spektakel muss aber nicht immer sein. Me, Valentin & You holten in der freitäglichen Nachmittagssonne die eintreffenden Besucher mit charmanten, emotionalen und aufbrausenden Melodien auf angenehme Weise ab und hatten wesentlichen Anteil am geglückten Festivalstart, der das Erfolgsrezept des m4music schon nach kürzester Zeit wieder auf dem Präsentierteller gezeigt hatte: Der eine oder andere grosse Name im Line-Up ist notwendig, doch profiliert sich das Festival vorderhand als Ort der Entdeckungen. Das tat es auch 2014.

Die Veranstalter zeigten sich in einer Medienmitteilung sehr zufrieden mit dem Verlauf der 17. Ausgabe des m4music. Über 6600 Zuschauer und 850 Vertreter der nationalen und internationalen Musikbranche hatten sich während drei Tagen in Zürich und Lausanne getroffen. Für die beiden Festivaltage in Zürich, wo 54 Bands (darunter 35 aus der Schweiz) auftraten, konnte an den Abendkassen jeweils ein «Ausverkauft» vermeldet werden.

Der Nachwuchswettbewerb «Demotape Clinic», ein weiteres Merkmal des Festivals neben dem Indoorfestival und den Conference-Panels, spülte unter total 825 Bewerbern die vier nächsten Gewinnerbands in den Vordergrund:

Kategorie Rock (und Sieger «Demotape Clinic» 2014): Conjonctive - Somnambulant Cannibal




Kategorie Pop: Cristallin - Light




Kategorie Urban: Muthoni The Drummer Queen - Light




Kategorie Electronic: Missue - Exit

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