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So war Jack Garratt in Zürich

Gereift: Check!

Montag, 09. November 2015, 15:09 Uhr. elb. Bei seiner ersten Schweizer Soloshow überzeugt der Brite Jack Garratt im Zürcher Plaza mit einer spektakulär anzuschauenden Melange aus Elektro, Soul und Blues. Jack Garratt bei seinem Auftritt vor einigen Monaten am Montreux Jazz 2015. Photo: Screenshot / Youtube, muzone Jack Garratt bei seinem Auftritt vor einigen Monaten am Montreux Jazz 2015.
Die Bühne ist zwar nahezu abgedunkelt, verbergen lässt es sich aber nicht. Eben hat Jack Garratt zum Songoutro selber noch das Falsett-Sample von «The Love You're Given» unverstärkt nachgesungen, dann wischt er sich - von den Gefühlen überwältigt - im Bühnenhintergrund einige Tränen aus den Augen. Und auch in der darauffolgenden Ansage zum Überhit «Worry», dem krönenden Abschluss einer bewegenden und überzeugenden Konzertstunde, gerät die Stimme des bärtigen Briten nochmals ins Stocken.

Garratt hat effektiv alles gegeben an diesem Abend im gut gefüllten Plaza in Zürich: sei es indem er sich mit dem Rücken zum Publikum in den Songpausen regelmässig selbst wieder aufputscht oder mit kreisenden Armen und wirbelnden Drumsticks auf seine Pads trommelt, flugs zum Synthesizer wechselt und wieder zurück oder die E-Gitarre schultert.

Jack Garratt ist eine One-Man-Show. Wie er seine Instrumente abwechselnd bedient, springt er auch zwischen den Genres hin und her. Da ein bluesiges Intro auf der E-Gitarre, dort eine minimal instrumentierte Soul-Passage, zwischendurch ein mit der Gitarre begleitetes Disclosure-Cover («Latch») (das allerdings in die Kategorie «künstlerische Freiheit» einzuordnen ist) und immer wieder wabernde Beats - mal schleichend, mal Uptempo. Kurzum: alles beeindruckend anzuschauen.

Am meisten überzeugt aber die Entwicklung, die Garratt in den vergangenen Monaten genommen hat. Für ihn selbst ist sein erster Auftritt in der Schweiz vor Jahresfrist (als Support von Ben Howard) gefühlt schon sehr viel länger her, so viel ist passiert inzwischen. Und in der Tat ist der Fortschritt des Briten seit seinem Auftritt am Open Air St. Gallen vor wenigen Monaten augenscheinlich. Garratt ist spürbar gereift, deutlich selbstbewusster worden, zeigt sich als spassiger Kauz, der sich desöfteren gewitzt und mit breitem Grinsen an das begeisterte Publikum wendet.

Dass er in so kurzer Zeit nochmals eine ganze Schippe draufgelegt hat, liegt aber keineswegs nur an seiner Persönlichkeit. Das in den vergangenen Wochen neu hinzugekommene Songmaterial um «Breathe Life» und (das inzwischen innerhalb von drei Monaten über eine Million Mal bei Youtube angesehene) «Weathered», das zu den Höhepunkten des Livesets zählt, hat sein Hitarsenal noch einmal ordentlich erweitert und man mag gar nicht erahnen wollen, wie das schliesslich aussehen könnte, wenn im kommenden Februar Jack Garratt's Debütalbum «Phase» erscheinen wird. Der jüngste Steigerungslauf hat die Erwartungen zumindest schon einmal zünftig angehoben.

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