Startseite   ›  Magazin   ›  Die grosse Zufriedenheit - Der ausführliche Rückblick auf das OpenAir St. Gallen 2011
Dienstag, 05. Juli 2011, 19:39 Uhr. elb.zuletzt aktualisiert: Dienstag, 05. Juli 2011, 22:41 Uhr. Traditionell sind es nicht die Headliner, die die herausragenden Shows am OpenAir St. Gallen abliefern. Dieses Jahr war es nicht anders: Bands wie FM Belfast, Dizzee Rascal oder The National waren für die Highlights der Ausgabe 2011 verantwortlich Ausverkauftes Haus am OpenAir St. Gallen 2011 Photo: openairsg.ch Ausverkauftes Haus am OpenAir St. Gallen 2011
Die Vorzeichen standen gut, die Veranstalter waren optimistisch - und im Endeffekt gab es überall zufriedene Gesichter am OpenAir St. Gallen. Die Organisatoren, weil sie noch während des Festivals bekanntgeben durften, dass es mit insgesamt 105'000 Zuschauern restlos ausverkauft sei und sie keine nennenswerten Zwischenfälle zu beklagen hatten. Die Besucher, weil sie - nebst hervorragenden Witterungsbedingungen mit wenig Regen und Schlamm - in den Genuss verschiedenster musikalischer Leckerbissen gekommen waren.

Verheissungsvoll war das OpenAir St. Gallen am Donnerstag in seine 35. Ausgabe gestartet. 15'000 Nachtschwärmer - rund 5'000 mehr als noch im Vorjahr - erlebten mit dem gelungenen Auftritt des schwedischen Indie-Rock-Duos Johnossi einen optimalen Auftakt. Nach Culcha Candela beendeten Solange La Frange aus Lausanne das Aufwärmprogramm der Sternenbühne mit einem energiegeladenen Set, das zeitweise allerdings etwas chaotisch ausfiel.

Ein verdienter Hype
Das erste freitägliche Ausrufezeichen setzten auf der Sitterbühne Blumentopf, die der erwartet gute Liveact waren, der originellerweise einen grossen Teil seines Konzertes mit Freestyle-Raps bestritt. Einen äusserst erfrischenden Auftritt lieferten im Anschluss The Vaccines im Zelt ab. Kurz, knackig und auf den Punkt: wie seine Songs präsentierte sich das Londoner Indie-Rock-Quartett erfreulicherweise auch auf der Bühne. Bei seiner ersten Schweizer Show überhaupt bewies es, dass der aufgekommene Hype um die Band durchaus seine Berechtigung hat.

Im Gegensatz dazu sind Friska Viljor nach mehreren Shows hierzulande schon länger bekannt und erfüllten problemlos die Erwartungen. Dass Elbow mit ihren wunderbaren Hymnen das Herz erwärmen können, zeigten sie vor zwei Wochen am Southside Festival. Sänger Guy Garvey bewies in St. Gallen einmal mehr auf sympathische Art, wie gekonnt er mit seinem Publikum umgehen kann. Erstaunlich viele Leute zogen TV On The Radio vor die Sternenbühne. Der eigentlich nicht wirklich eingängige, spezielle Sound der US-Band kam aber erstaunlich gut an.

Deutsches Elektro-Dessert
Den Wermutstropfen, die im Vorfeld fix eingeplante Janelle Monae verpasst zu haben, machten zwei deutsche Acts zum Ausklang des zweiten Festivaltages wieder wett. Nachdem Digitalism einen gefeierten Auftritt auf der Sitterbühne hinter sich gebracht hatten, ging es beim traditionellen Elektro-Abschluss auf der Sternenbühne an die letzten Reserven. Die brachialen Songs von Boys Noize verfehlten ihre Wirkung im vollen Zelt nicht, auch wenn es schade war, dass die optische Komponente (sprich: Visuals) ziemlich vernachlässigt worden war.


Digitalism - Live at OpenAir St. Gallen 2011

Mit dem Konzert von Mona ging es in den Tag drei des OpenAir St. Gallen 2011. Die Band aus Nashville spielte einen soliden Nachmittagsgig und bestätigte die ihnen nachgesagten Ähnlichkeiten mit den Kings Of Leon durchaus. Sympathisch, dass sich die vier Amerikaner unmittelbar nach ihrem Auftritt vor der Bühne noch mit einigen Fans unterhielten.

Verrücktes um Fünf
Elektro nachmittags um 1700 auf einer Freiluftbühne? Ja, das gibt's. Die Crystal Castles waren zeitlich eigentlich völlig fehl am Platz. Dennoch war ihre ganze Show äusserst amüsant anzusehen. Produzent Ethan Kath, in der prallen Nachmittagssonne komplett mit einem Kapuzenpulli verhüllt, und Sängerin Alice Glass, die mit ihren unorthodoxen, teilweise verstörten Aktionen auf der Bühne wohl manchen Zuschauer an eine gewisse Amy Winehouse erinnern liess, kamen nicht nur 20 Minuten zu spät auf die Bühne, sondern verliessen sich nach weiteren 20 Minuten bereits wieder das erste Mal. Im Endeffekt hatten die beiden aber dennoch ein rund 45-minütiges Set hingelegt, das sämtliche Hits enthielt und äusserst kurzweilig war.

Nach einer Stunde Pop im Zelt mit Sängerin Lissie ging es erneut zur Hauptbühne, wo das John Butler Trio den wohl perfekten Slot für ihre Musik erhalten hatte. Das Konzert in der Abendsonne wurde dementsprechend von zahlreichen Zuschauern verfolgt.

Leise Diven
Die grösste Menge an Fans brachten schliesslich wie erwartet Linkin Park vor die Bühne, wo kaum noch ein Durchkommen war. Abgesehen vom viel zu leise abgemischten Sound wird die Band aber wohl eher wegen ihrer divenhaften Forderungen im Backstagebereich in Erinnerung bleiben. Mit einer Entourage von über 50 Personen und eigener Küche angereist, habe die Nu-Metal-Band Gerüchten zufolge offenbar verlangt, dass eine Stunde vor ihrem Auftritt hinter der Bühne (manche sagen sogar auf dem ganzen Gelände..) ein absolutes Rauch- und Alkoholverbot durchgesetzt würde..

Die wahren Höhepunkte des Festivals sollten im Anschluss folgen. Der britische Grime-Rapper Dizzee Rascal riss die Fans mit seinen basslastigen, tanzbaren Songs mit. Nicht von ungefähr belegt er aktuell in der Facebook-Umfrage von openairguide.net, welche Bands dem besten Auftritt am OpenAir St. Gallen 2011 hatten, mit über 350 Stimmen und einem beträchtlichen Vorsprung den Spitzenplatz.


Dizzee Rascal - Bonkers (Live at OpenAir St. Gallen 2011)

Danach knüpften FM Belfast auf der Sternenbühne nahtlos daran an. Die isländische Elektro-Band steckte mit ihrer Spielfreude das Publikum an und sorgte für ausgelassene Stimmung. Ein gelungenes Ende des vorletzten Festivaltages!


FM Belfast - Underwear (Live at OpenAir St. Gallen 2011)

2012 mit den Toten Hosen
Der Sonntag startete nicht mit einem Konzert, sondern mit einer Ankündigung. Wie von openairguide.net in der Vorschau auf das diesjährige OpenAir St. Gallen richtig vermutet, wurde am frühen Sonntagnachmittag auf der Sitterbühne bekanntgegeben, dass Die Toten Hosen im kommenden Jahr das Ostschweizer Festival schweizexklusiv headlinen werden. (mehr Infos dazu)

Der zunächst anstehende Act hatte indes aber gerade mal gar nichts mit deutschem Punk-Rock am Hut. The National, diesen Sommer gleich an drei Schweizer Festivals zu Gast, wurden ihrer hohen Einstufung auf dem Plakat gerecht. Besonders Sänger Matt Berninger zeigte sich von seiner besten Seite. Nicht nur, dass er sich Sonnencrème aus dem Publikum bestellte und die umgehend zugeworfene Tube problemlos mit den Händen einfangen konnte. Nicht nur seine witzige Reaktion auf eine ebenfalls auf der Bühne gelandeten Zahnbürste. Auch seine obligate Wanderung durch das Publikum, die dem Bühnentechniker mit dem Mikrofonkabel einige stressige Minuten bescherte, durfte bei diesem gelungenen Auftritt nicht fehlen.


The National - Live at OpenAir St. Gallen 2011

Würdiger Abschluss hoch drei
Die anschliessend spielenden Beatsteaks zählen seit Jahren zu einem sicheren Wert und manifestierten diese Rolle am diesjährigen OpenAir St. Gallen vor einem grossen und mitgehenden Publikum erneut. Noch während der deutschen Punk-Rockband erlebte die Sternenbühne ihren würdigen Abschluss. Beirut, die vor drei Jahren ihren Auftritt am Ostschweizer Festival noch abgesagt hatten, holten ihren Gig nach und bescherten der Zeltbühne einige schöne Momente, die vom Publikum dankbar angenommen wurden und für einen gelungen Ausklang sorgten.

Den Deckel drauf machten schliesslich die Queens Of The Stone Age. Die Band um den unnachahmlichen Josh Homme präsentierte sich in Bestform. Mit einem wahren Hitfeuerwerk am Ende, bestehend aus "Go With The Flow", "No One Knows" und "A Song For The Dead" gewährten sie dem Festival das Schlussbouquet, das es sich in diesem Jahr absolut verdient hatte.


Queens Of The Stone Age - No One Knows (Live at OpenAir St. Gallen 2011)
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