Startseite   ›  Magazin   ›  Über Hot Chip, Livestreams und das Sittertobel - Stimmen zum OpenAir St. Gallen 2012
Donnerstag, 05. Juli 2012, 10:24 Uhr. elb. Bereits sind einige Tage seit der 36. Ausgabe des OpenAir St. Gallen vergangen. openairguide.net hat sich mit Vertretern des Festivals unterhalten. Ein kurzer Rück- und Ausblick. Hat am OpenAir St. Gallen 2012 auch die Veranstalter begeistert: Florence Welch Photo: OpenAir St. Gallen AG, openairsg.ch Hat am OpenAir St. Gallen 2012 auch die Veranstalter begeistert: Florence Welch
Die Kunde vom famosen Festivalende des diesjährigen OpenAir St. Gallen hat sich mittlerweile in der weiten Welt des Internets kontinuierlich weiter verbreitet. Auch das renommierte britische Musikmagazin NME hat die sonntägliche «Supergroup» des Ostschweizer Festivals bestehend aus Mumford & Sons, Paolo Nutini, The Kooks und Wolfmother bereits in einem Artikel thematisiert. Mit ihrer Zugabe hatten die Bands, die das gesamte Vorhaben selber untereinander geplant hatten, übrigens auch die Veranstalter um Festivalchef Christof Huber erstaunt, die «überrascht wurden, dass es zu so einem denkwürdigen Finale kam».

Glückliche Veranstalter
Im Allgemeinen zeigte sich Huber mit der diesjährigen Ausgabe sehr zufrieden: «Es war ein fantastisches Festival mit vielen Rekorden». Der Ausverkauf und das Wetterglück hätten ihn ebenso glücklich gemacht wie «das tolle, friedliche Publikum und die guten Künstler». Als seine persönlichen Highlights bezeichnete er die Auftritte von Florence And The Machine und den Mumford & Sons. Aber auch mit den Shows von der Parov Stelar Band, den Die Toten Hosen, Kitty, Daisy & Lewis und Deadmau5 war Huber sehr zufrieden.

Bands, die ein Thema waren
Gegenüber openairguide.net hat Christof Huber freundlicherweise ein wenig aus dem Nähkästchen der diesjährigen Programmzusammenstellung geplaudert. Wie bereits in der hier erschienen Festivalvorschau erwähnt, war es für ihn «sehr schade», dass das Engagement der The Black Keys im Endeffekt doch nicht zustande gekommen war. «Wir hätten sie gehabt, wenn die Tour - wie ursprünglich geplant - im Juni/Juli 2012 stattgefunden hätte», so Huber. Auch beispielsweise Hot Chip und Miike Snow seien ein konkretes Thema für das OpenAir St. Gallen 2012 gewesen, wobei es gemäss Huber hier «einmal aus Termin- und einmal aus Finanzgründen» nicht funktioniert habe. Und auf die Frage, welche Bands von anderen Schweizer Festivals er denn gerne selber dieses Jahr gebucht hätte, wirft der Programmverantwortliche mit den Alabama Shakes (Montreux Jazz), Noel Gallagher's High Flying Birds (Montreux Jazz bzw. Gurtenfestival) und Skrillex (Zürich Openair) gleich noch drei weitere interessante Namen in die Runde.

Positive Bilanz bei den RFID-Chips
Mit den neu im Backstage-Bereich eingeführten RFID-Chips im Bändel, die das bargeldlose Bezahlen ermöglichten, hat das OpenAir St. Gallen bei der jüngsten Ausgabe eine visionäre Idee getestet. Kurz nach dem Festival ziehen die Verantwortlichen dabei eine positive Bilanz, obwohl es noch «einige Kinderkrankheiten» gab. Nach einer sorgfältigen Analyse werde man sich in Ruhe überlegen, ob das Cashless-System auch auf dem ganzen Gelände zum Einsatz kommen könnte. Darauf festlegen will man sich aber (verständlicherweise) noch nicht, denn «die Dimension wäre dann eine ganz andere» und man könne den Schritt nur wagen, wenn auch «alles 100 Prozent funktioniere», sagt Huber.

Livestream «sicher ein Thema»
Ähnlich sieht es bei einem anderen «modernen» Thema aus - dem Livestream. Bereits zahlreiche Festivals auf der ganzen Welt (Coachella, Rock Werchter, Sonàr, Rock am Ring etc. und 2012 neuerdings auch das dänische Roskilde) bieten diesen tollen Service mittlerweile im Internet an, der jeweils auf grosses Interesse stösst. Wie Claudine Roth, eine Sprecherin des OpenAir St. Gallen, gegenüber openairguide.net verraten hat, ist das «auch für uns sicher ein Thema». Man würde es gerne machen. Es sei aber so eine Sache mit den Rechten, sagt Roth und spricht damit eines der Probleme dieser Dienstleistung an. Nicht selten entscheiden sich Bands kurzfristig, ob sie ein Konzert übertragen lassen wollen oder nicht, was für die Festivals jeweils mit einigem (mühsamem) Mehraufwand verbunden ist.

Keine Angst ums Sittertobel
Wer sich ein wenig mit dem europäischen Festivalzirkus beschäftigt, hat in den vergangenen Wochen und Monaten bestimmt von den einen oder anderen Umzugsplänen grosser Festivals mitbekommen. So haben beispielsweise das Rock Werchter in Belgien oder Rock am Ring bereits einige Male öffentlich angedroht, wegen Uneinigkeiten mit den Behörden neue Gelände suchen zu wollen. Auch das Sittertobel stand als Austragungsort des OpenAir St. Gallen in der jüngsten Vergangenheit ab und an im Fokus, als z.B. 2011 wegen der angeblich enormen Belastung des Naturschutzgebietes bei der Regierung protestiert wurde. Diesbezüglich macht man sich aber im Moment beim St. Galler Festival keine allzu grossen Sorgen. Die Bewilligung werde jährlich ausgestellt. Dabei hätten - gemäss Roth - gerade die Diskussionen im vergangenen Jahr den Organisatoren aber gezeigt, dass «das Festival von den Behörden getragen wird».

Komiker, Quiz oder Film
Im lokalen St. Galler Tagblatt hat Christof Huber auch Stellung zum Nachtschwärmer-Programm am Donnerstagabend genommen. Obwohl der Trend mittlerweile Richtung Viertagespässe laufe und im nächsten Jahr vielleicht erneut mit 20'000 Besuchern gerechnet werden könne, will man weiterhin «kein komplettes Programm» am ersten Festivaltag auf beiden Bühnen anbieten. Nach dem diesjährigen Erfolg mit der Fussballübertragung sei aber eine gute Idee gefragt. «Von Komiker oder Quiz bis Film ist vieles denkbar», so Huber.

Der Chef empfiehlt..
Wer sich übrigens für den Job von Christof Huber als Festivalchef interessiert, kann noch lange warten. «Das Festival begleitet mich im Kopf 365 Tage im Jahr und es ist immer noch ein spannendes Puzzle, das es jährlich zusammenzusetzen gilt», zeigt Huber keine Anzeichen von aufkommender Müdigkeit. Als «Trost» verrät er dafür aber noch seinen exklusiven Festivaltipp: «Das Exit Festival in Serbien kann ich sehr weiterempfehlen: schönes Gelände (auf einer mittelalterlichen Festung; d.Red.), gute Bands und tolle Leute!» Seine weiteren Empfehlungen überraschen indes nicht. Dass das französische Rock en Seine Ende August 2012 erneut ein tolles Line-Up hat, sieht nicht nur er so. Und welcher europäische Festivalfan würde nicht auch schon lange gerne - wie Huber auch - einmal die amerikanischen Aushängeschilder Sasquatch, Bonnaroo oder Coachella besuchen?
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