Startseite   ›  Magazin   ›  «Es ist ein Miteinander» - Gurtenfestival-Promoter Philippe Cornu zur Ausgabe 2012
Freitag, 20. Juli 2012, 09:21 Uhr. elb. Für die Veranstalter war es ein Rekordfestival mit vielen Highlights. Gurtenfestival-Booker Philippe «Phibe» Cornu im Gespräch über einen sehr bewegenden Moment am Festival, Extrawünsche hinter der Bühne und was er heute anders machen würde. Erlebte dieses Jahr sein 22. (!) Gurtenfestival: Philippe «Phibe» Cornu Photo: zVg., Gurtenfestival Erlebte dieses Jahr sein 22. (!) Gurtenfestival: Philippe «Phibe» Cornu

openairguide.net: Phibe, es sind jetzt ein paar Tage seit dem Gurtenfestival 2012 vergangen. Wie fällt dein musikalisches Fazit aus? Was waren dieses Jahr deine persönlichen Highlights?

Philippe «Phibe» Cornu: In Bezug auf Herz und Seele, Emotionen und Publikumsnähe waren Patent Ochsner, Frank Turner und Edward Sharpe die Höhepunkte für mich. Dicht gefolgt von einem gut gelaunten Lenny Kravitz mit Hammersongs und Hammersound, sowie Snow Patrol mit ihrer ansteckenden Spielfreude. Ach, und da war ja noch Jan Delay! Dem hätte ich am liebsten die Füsse geküsst, dass der sich eine solche Mühe für das durchfrorene und nasse Publikum gemacht hat. In Bezug auf zukunftsweisende Musik dürfen wir zudem den Auftritt von Santigold nicht vergessen.

Bleiben wir doch gleich bei Patent Ochsner und Emotionen. Wenn ein Büne Huber auf der Bühne am Schluss eine derartige Lobhudelei auf den Festival-Promoter himself von sich gibt: Was geht da in einem vor?

Cornu: Das Dankeschön eines Büne Huber rührt zu Tränen, das ist so. Es ist ein Dankeschön an 22 Jahre Herzblut und Engagement. Ein Dankeschön an das ganze Team, das sich grosse Mühe gibt, dass es den Bands, aber auch dem Publikum an nichts mangelt.
Patent Ochsner und ich haben die gleiche Vergangenheit, sind zusammen gross geworden und haben immer gewusst und es auch gelebt: Es ist ein Miteinander.
Darum war dieser Moment auf der Bühne - ich stand am Monitorpult und war überhaupt nicht darauf gefasst - sehr berührend und hat mich ziemlich «erhudlet», wie man so sagt. Man hat ja sonst in diesem Business immer die Tendenz alles supercool zu nehmen..

Büne Hubers Dankesrede an das Gurtenfestival und Phibe Cornu



Gab es auch Bands, die dich dieses Jahr nicht richtig überzeugen konnten?

Cornu: Da ich nicht jede Band gesehen habe, kann ich das nicht wirklich beurteilen. Würde ich wohl auch sonst nicht, die Geschmäcker sind so verschieden und die Wahrnehmung so unterschiedlich.


Einige spektakuläre Anekdoten aus dem Backstagebereich haben die Runde gemacht: von der auf Lenny Kravitz wartenden Limousine mit laufendem Motor über Anreise per Helikopter bis hin zur eigenen Waschmaschine. Ist da was dran?

Cornu: Diese Gerüchte kann man gleich mal streichen. Die Waschmaschine stand einsam und verlassen im Regen. Der Helikopter machte nur Foto-Flüge und die Limousine für Lenny Kravitz ist Standard, aber nicht mit laufendem Motor.
Die ausgefallenen Wünsche sind heutzutage «Slow Motion»-Saftpressen für schonende Pressung des Gemüses, «vitaminwater» und glutenfreie Müsli.


Wie hältst es du mit der immer weiter wachsenden Nachfrage nach DJ-Sets auf den Festivalbühnen? Da hattet ihr ja dieses Jahr auch wieder eine Handvoll zu bieten, was bekanntlich nicht überall positiv aufgenommen wurde..

Cornu: Meine persönliche Ansicht zum diesem Thema ist, dass DJs wie Digitalism, Fritz Kalkbrenner oder Birdy Nam Nam im letzten Slot des Tages auf der Zeltbühne durchaus Sinn machen. Auf der Hauptbühne präferiere ich als Abschluss eigentlich eher Dance-Acts à la Underworld, Pendulum oder Chase & Status, wobei aber auf der anderen Seite ein Deadmau5 in St. Gallen eben doch auch sehr gut war.


Kannst du 2-3 Bands verraten, mit denen ihr dieses Jahr verhandelt habt, es aber leider am Ende doch nicht für ein Engagement gereicht hat?

Cornu: Justice und Mumford & Sons.


Schauen wir in die Zukunft: Willst Du den «Running-Gag» Daft Punk für nächstes Jahr wieder in die Runde werfen?

Cornu: (lacht) Nein, meine persönlichen Wünsche werde ich nie mehr laut sagen. Es ist zu peinlich, wenn es dann doch nicht klappt. Aber für nächstes Jahr möchte ich sehr gerne Daft Punk und Justice! :)


Okay, hast du sonst eine ganz persönliche (realistische) Wunschband für das Gurtenfestival 2013?

Cornu: Nein, eben nicht. Sonst werde ich wieder auf dieser einen Band behaftet. Es gibt viele Acts, die ich gerne hätte. Und wir nehmen übrigens auch gerne Wünsche entgegen..


Einen ersten Headliner für die Ausgabe 2013 habt ihr mit mit den Toten Hosen bereits veröffentlicht. Wie kam das zustande?

Cornu: Das verlief ziemlich problemlos. Ich habe mich mit Kiki, dem langjährigen Booker der Band, getroffen und wir haben dann vor zwei Wochen die Zusage erhalten, dass Die Toten Hosen am 30. Gurtenfestival auftreten werden.


Obwohl ihr ja nun schon eine grosse Band offiziell bestätigt habt, eröffnet ihr den Vorverkauf trotzdem erst im November. Warum startet ihr nicht jetzt damit?

Cornu: Wir wollen zunächst in aller Ruhe das Debriefing der diesjährigen Ausgabe machen und dann den Vorverkauf und alles Weitere aufgleisen. November ist ja immer noch einen Monat früher als sonst. Und, wir sind Berner und machen keine überstürzten Aktionen. Immer schön langsam, aber dafür gut. :)


Köche, Massagen, Personentransfer und längere Aufenthalte

Gegenüber der Zeitung «Der Bund» hat sich Philippe Cornu noch zu weiteren interessanten Facts rund um die Festivalorganisation geäussert. So befänden sich im Backstagebereich, der über eine imposante Aussicht verfügt, über 400 Pflanzen zur Dekoration, die eigens dafür auf den Berg gefahren würden. In kulinarischer Hinsicht stehen den Musikern und deren Crews zwei Spitzenköche zur Verfügung. Körperliche Entspannung bietet ein Massagezelt mit einer Physiotherapeutin.

Weiters führt Cornu aus, dass - entgegen vieler Vermutungen - der Grossteil der Bands in Kloten und nicht in Bern-Belp lande und dann von dort von Festivalhelfern mit Shuttlebussen auf den Gurten transferiert werde. Häufig reisen die Acts aber auch mit ihren eigenen Tourbussen an. Bleiben Musiker über Nacht in Bern, verbringen sie diese in den drei besten Hotels der Stadt.

Ab und zu kommt es auch vor, dass Bands noch etwas länger in der Hauptstadt verweilen. Dieses Jahr seien zum Beispiel Gorillaz Sound System eine Woche geblieben. Ihr Tourbus stand die ganze Zeit auf dem Parkplatz von Appalooza (Firmenname der Gurtenfestival-Veranstalter, Anm. d. Red.), wo sie zudem gleich im Büro vor Ort ihre Visuals programmiert hätten, so Cornu. Auch Norah Jones sei einen Tag früher als nötig angereist, um noch ein wenig die Stadt Bern zu erkunden.
Kontakt - Impressum - Mediadaten
© openairguide.net - seit 2005 - Alle Rechte vorbehalten.