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Jamie Lidell, Aloe Blacc und Seven zu Gast in Schaffhausen

Die verschiedenen Facetten einer Fassade - So war der Mittwoch am Stars In Town 2013

Samstag, 10. August 2013, 00:55 Uhr. elb. Auftakt nach Mass für das Stars In Town in der Schaffhauser Altstadt: Der Rückblick auf den gut besuchten Eröffnungsabend am vergangenen Mittwoch mit Jazz, Soul und viel Fassade. Teils grenzwertiger Wirbelwind auf der Bühne in Schaffhausen: Jamie Cullum. Photo: zVg., Stars In Town Teils grenzwertiger Wirbelwind auf der Bühne in Schaffhausen: Jamie Cullum.
Fassade. Sie kann oberflächlich sein, eine Tarnung. Sie kann schön anzusehen sein, Kulisse, aufwändig verziert oder geschmückt, mit einer Geschichte dahinter. Sie kann aber auch ein authentisches Spiegelbild sein, ein Ausdruck des Innenlebens. Soul.

«Fassade» umschreibt ziemlich präzis den ersten Festivaltag am und rund um das Stars In Town in Schaffhausen. Der Austragungsort auf dem Herrenacker mitten in der Munotstadt ist umgeben von malerischen Altstadthäusern, die massgeblich zur stimmungsvollen Atmosphäre beitragen. Der Begriff «Klein-Locarno» als Vergleich in Anlehnung an das dort etablierte Moon & Stars fällt nicht selten. In Schaffhausen ist das viertägige Festival eines der wenigen Ereignisse im Jahr, das dem schönen, aber verschlafenen Städtchen die Maske abnimmt, es zum Leben erweckt. Wenn der so attraktive Platz vor dem Casino für einmal nahtlos ins Stadtleben eingebunden ist und dank ein paar Tausend Besuchern zum «richtigen», pulsierenden Zentrum wird.

Seven gegen Neun
Fassaden zeigen auch alle drei Acts, die an diesem Mittwochabend, der glücklicherweise nur ab und an mit kurzen Regenschauern bedacht wird, aufgetreten sind. Zum Anfang ist es Seven's übergrosses, maskiertes Antlitz als Bühnenbild, das allerdings die eigentlich durchaus ansehnliche Stimme des sympathischen Sängers aus dem Aargau quasi erdrückt. Begleitet von einem neunköpfigen, zu vorstelligen Ensemble geht sein Gesang im Soundbrei stellenweise unter. Weniger wäre da wohl mehr gewesen. Dank konsequenter Publikumsinteraktion und -animation kann er die Zuschauer dennoch problemlos auf seine Seite ziehen.

Besser machen es da die Begleitmusiker von Aloe Blacc. Adrett gekleidet, halten sie sich angenehm im Hintergrund, rücken für ihre Soli ins Scheinwerferlicht, überlassen aber ansonsten das Feld Blacc's eindrucksvoller, reiner Soulstimme. Der 34-jährige Amerikaner zeigt derweil ebenfalls seine Fassade: ein fast schon penetrantes Lächeln. Über eine Stunde mit strahlendem Gesicht auf der Bühne, das kann amerikanisch aufgesetzt wirken oder eben Soul bedeuten. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen, an Authentizität mangelt es Aloe Blacc sicherlich nicht. Man nimmt ihm seine Zufriedenheit ab, sein «You Make Me Smile».



Schöne «Soul Train Line»
Blacc kreiert denn auch den schönsten Moment des Abends: eine Hommage an die US-Musiksendung «Soul Train», die ab den 70er-Jahren während drei Jahrzehnten nicht unwesentlichen Anteil an der Verbreitung der Black Music hatte und die den Sänger seit seiner Kindheit begleitet und geprägt hat. Aus ihrem Fundus übernimmt er die sogenannte «Soul Train Line» in seine Show; einzelne in einer mitten durchs Publikum gebildeten Gasse tanzende Zuschauer, die bis in die vordersten Reihen gelangen. Fürwahr ein ungewohntes und packendes Erlebnis. Echter Soul, der glücklich macht.

Eine weitere Facette einer Fassade präsentiert zum Abschluss des Festivalauftakts Jamie Cullum. Der kleingewachsene Multiinstrumentalist aus England verbindet mit Erfolg Jazz und Pop. Und das mit einer überquirligen Art, die sich manchmal hart an der Grenze zur Mühsamkeit bewegt. Von Anbeginn seines Auftritts scheint er wie auf Nadeln zu sitzen, spielt Trommel, steht auf seinem Flügel, springt von da hinunter, singt im Publikum, trommelt auf dem Klavier oder begleitet sich an selbigem mit eigener Beatbox.

Unterhaltsamer Cullum
Das ist mehrheitlich unterhaltsam, Cullum ist ein ähnlich begnadeter Entertainer wie Jazzpianist. Er weiss, wie er mit seinem Publikum umzugehen hat und er weiss auch vier weitere fähige Musiker in seiner Band, die an verschiedensten Instrumenten zu glänzen vermögen. Eine runde Sache mit etlichen modernen Querverweisen, hauptsächlich zu Rihanna - Coverversionen von «Umbrella» und «Don't Stop The Music» vorneweg - oder auch Pharrell Williams («Frontin»), die zeigt, dass Jazz auch auf einer grossen Festivalbühne ausserhalb des Jazzfestivals in Montreux funktionieren kann.



Heute Samstag geht das Stars in Town 2013 nach dem gestrigen, ausverkauften Konzertabend mit Silbermond und 77 Bombay Street nun mit Auftritten u.a. von Mike And The Mechanics und Patent Ochsner zu Ende. Tagestickets zum Preis von 80 Franken sind weiterhin bei Starticket erhältlich.

2014 mit Status Quo
Bereits jetzt steht fest, dass das Festival auch nächstes Jahr in dieser Form wieder stattfinden wird. Dies wurde am Mittwoch zusammen mit der ersten Headlinerbestätigung bekanntgegeben: im kommenden August wird die britische Rockband Status Quo auf dem Herrenacker gastieren.
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