Startseite   ›  Magazin   ›  Zu Gast im Kosmos - So waren die Foals in Zürich
Donnerstag, 24. Oktober 2013, 13:33 Uhr. elb. Bei ihrer einzigen Schweizer Clubshow nehmen die Foals gestern Abend vor rund 1500 Zuschauern in Zürich die hiesigen «Rich Kids» auf einen ansprechend beleuchteten und guten Rocktrip mit. Die Foals in Zürich während «Spanish Sahara». Photo: instagram.com/le_re_nard Die Foals in Zürich während «Spanish Sahara».
Meeresrauschen. Die ersten zwei Gitarrentöne. Jubel. Als die Foals gestern im ausschliesslich im Unterrang bevölkerten Zürcher Volkshaus zu «Spanish Sahara» ansetzen, ist das ein Gänsehautmoment und gleichermassen einer der Höhepunkte des Abends. Es ist einer der Songs, der den charakteristischen Sound der Band ziemlich gut wiedergibt. Lange Phasen mit repetitiv gezupften, hohen Gitarren, die auf einem Crescendo-Pfad irgendwann im Schlagzeug- und Lichtgewitter explodieren und hernach wieder gemächlich ausklingen.

Licht ist Trumpf
Dass die Komponente Licht im weiteren Verlauf des Auftritts eine beständig gute Rolle spielen würde, wird bereits in den Anfangsminuten klar. Zweieinhalb Minuten lang leuchtet und blitzt es zum Auftakt auf der Bühne, ehe sich das Math-Rock-Quintett aus Oxford für den (passenden) Opener «Prelude» an seine Instrumente begibt und mit «Total Life Forever» gleich prima nachlegt. Schon da zeigt sich ebenfalls, dass das im Normalfall freundlich reservierte Schweizer Publikum dieses Mal durchaus motiviert an die Sache geht. Da wird auch mal ohne Aufforderung eines Bandmitglieds im Takt mitgeklatscht, mitgetanzt sowieso.

Die glückliche Fügung passt ins Bild, dass der einzige Herbstauftritt von Sänger Yannis Philippakis & Co in der Schweiz bereits vor drei Monaten vom Komplex 457 ins «bessere» Volkshaus verlegt wurde. Ein nicht unerheblicher Unterschied in Sachen Soundqualität, der gestern einmal mehr ersichtlich wird. Auch wenn es teilweise mit einem ins Mikrofon schreienden Philippakis unerwartet laut, hart und rockig zur Sache geht. So artet die erste Zugabe «Inhaler» in den vorderen Reihen zu einem wilden Gepoge aus. Eine Dreiviertelstunde früher beim textlich nicht über alle Zweifel erhabenen, poppigen «My Number» - nota bene mit einem unfreiwilligen, aber wirkungsvollen Bass-Intro - hatte es nicht viel anders ausgesehen.

Mehr Platz für Jams
Neben der rauhen Seite kommen bei den Foals, anders als auf Platte, auch die minutenlangen Jams live viel mehr zur Geltung - unter anderem beim letzten Song des regulären Sets («Electric Bloom»), der in einem auf den Punkt beendeten Outro mündet - und diese Spielereien tragen dazu bei, dass die Konzertdauer trotz 13 Liedern rund 90 Minuten beträgt. Knappe anderthalb Stunden, die in sich kompakt daherkommen, wo sich Jack Bevan intensiv die Seele aus dem Leib trommelt - vor allem in der Anfangsphase oder bei «Red Socks Pugie» - und Jimmy Smith seine Gitarre zeitweise umherschwingt oder mit einem Drumstick bearbeitet.

Zum Schluss ist man vielleicht einzig fast ein wenig enttäuscht, dass der als Rampensau berüchtigte Philippakis an diesem Abend nicht vom einladend leeren Balkon in die Menschenmenge springt. Für seine Verhältnisse hat er sich generell eher zurückgehalten - zumindest körperlich, die «Rich Kids»-Ansage lässt grüssen. «Lediglich» zwei Mal legt sich der 27-Jährige auf die tragenden Hände des Publikums oder verschwindet beim wunderbaren Schlusssong «Two Steps, Twice» spurlos mit seiner Gitarre in der Masse. Aber das ist in diesem Moment egal, denn da steht die von sämtlichen weissen Scheinwerfern ausgeleuchtete Discokugel an der dadurch mit Punkten gesprenkelten Decke im Fokus der Aufmerksamkeit. Den Blick nach oben gerichtet, «ba ba da ba ba daa» im Ohr, man wähnt sich im All, willkommen im Foals-Kosmos.


Photo: S. Tomo
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