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Zur 20. Ausgabe des Open Air Frauenfeld

Rappen im Thurgau

Mittwoch, 19. März 2014, 08:54 Uhr. elb. 30 der 36 Bands für die diesjährige Ausgabe des Open Air Frauenfeld sind bestätigt. Zeit für eine Zusammenfassung, warum das Headlinertrio seiner Position würdig, Eminem nicht dabei und kein anderes Schweizer Festival so gefragt in Deutschland ist. Das Geburtstagsfest für das Open Air Frauenfeld findet vom Donnerstag, 10. bis Samstag, 12. Juli 2014 statt. Photo: openair-frauenfeld.ch Das Geburtstagsfest für das Open Air Frauenfeld findet vom Donnerstag, 10. bis Samstag, 12. Juli 2014 statt.
Was benötigt eine Band, um Headliner eines Festivals zu werden? Auf drei wesentliche Punkte reduziert: Relevanz, Aktualität und allen voran Zugkraft. Ein Blick auf das Line-Up des Open Air Frauenfeld 2014 verrät, dass das auf die urbanen Musikstile ausgerichtete Festival seine Hausaufgaben diesbezüglich durchaus erledigt hat.

Der fröhliche Glücklichmacher
Fangen wir bei Pharrell Williams an. Nach jahrelanger Arbeit als Teil des Produzentenduos The Neptunes (u.a. für Kelis, Madonna und Justin Timberlake) und der Band N.E.R.D («She Wants To Move») ist Williams inzwischen auch als Solokünstler der ganz grosse Wurf geglückt. Ob mit dem Daft-Punk-Featuring bei «Get Lucky» oder «Happy»: Welcher Act kann derzeit von sich behaupten, gleich zwei innerhalb weniger Monate fabrizierte Nummer-1-Welthits im Angebot zu haben?

Oder Macklemore & Ryan Lewis. Über ihren momentanen Status lässt sich sicherlich geteilter Meinung sein. Die letztjährigen Festivalshows fielen nicht wirklich überzeugend aus und doch grüssen sie auch diesen Sommer von zahlreichen Headlinerslots. Fakt ist aber halt nun mal, dass sich das Duo mit seinem Debütalbum «The Heist» ins globale Rampenlicht katapultiert hat. Und das lässt sich mit beeindruckenden Zahlen belegen, wie den 13'000 innerhalb weniger Tage verkauften Tickets für das Konzert im Hallenstadion oder den 49 Wochen, in denen sich das Album in den Schweizer Charts gehalten hat. Von der Hitsingle «Thrift Shop» mit ihren 39 Wochen Hitparadenpräsenz, davon deren fünf auf der Spitzenposition, ganz zu schweigen.

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Am attraktivsten liest sich in der Kopfzeile das Engagement von Outkast. Nach achtjährigem Unterbruch haben sich André 3000 und Big Boi wieder zusammengetan und lassen sich den 20-jährigen Geburtstag ihres Debüts «Southernplayalisticadillacmuzik» mit der unglaublichen Anzahl von 40 (!) Festivalauftritten auf dem ganzen Globus vergolden. Dass das Open Air Frauenfeld eine dieser Stationen bei einem allfälligen Tourabstecher nach Europa sein würde, sei schon länger klar gewesen, sagt Festivalbooker Andy Locher auf Anfrage. Auch wenn der Auftritt in der Ostschweiz erst Mitte Februar definitiv bestätigt worden war.

Mit den Managements zweier weiterer Headlinerkandidaten hatten die Veranstalter in einer früheren Phase ebenfalls gesprochen. Kanye West und Drake spielen am ersten Juli-Wochenende am Wireless in London und sind so zwangsläufig in den Fokus geraten. «Bei beiden war jedoch nicht sicher, ob sie ihren Aufenthalt bis nach Frauenfeld verlängern würden», so Locher.

Auch den bisweilen penetrant von den Fans geforderten Eminem hatte der Booker anfangs im Visier. Locher: «Wir haben uns im vergangenen Spätsommer mit ihm unterhalten, nachdem klar war, dass er ein neues Album veröffentlicht.» Bis heute sei aber nicht klar, ob der US-Rapper während der kommenden Monate überhaupt einmal in Europa auftreten wird.

Faktor Glück
Fernab der Headlinerfrage mühte sich das Open Air Frauenfeld mit den grundsätzlichen «Problemen» im Festivalzirkus ab - wie der hohen Erwartungshaltung beim Publikum, «weil es doch ein Jubiläum zu feiern gibt». Dabei sind die Organisatoren schlichtwegs darauf angewiesen, welche Bands überhaupt für eine Buchung verfügbar sind. Dass im Vorjahr mit A Tribe Called Quest, Run-D.M.C. und Jurassic 5 gleich drei aussergewöhnliche Oldschool-Combos auf Tour waren, war ein glücklicher Umstand, der sich nicht jedes Jahr wiederholen lässt.

Dazu steigen auch bei den Hip-Hop-Acts die Auftrittsgagen immer weiter an. Zu finanziellen Wagnissen ist man in Frauenfeld aber verständlicherweise nicht bereit. «Wir haben ein klares Limit fixiert. Das diesjährige Gesamtbudget liegt im Rahmen der Vorjahre», sagt Andy Locher. Und so hat wohl auch er dieses Jahr zu einem bei Festivalbookern probaten «Hilfsmittel» gegriffen: den Doppelbuchungen. Holt das Gurtenfestival beispielsweise gerne Bands gleich für zusätzliche Clubshows in «sein» Bierhübeli, hat sich das Open Air Frauenfeld mit dem Snow Jam in Davos ein ähnliches (Open-Air-)Gefäss geschaffen. Die doppelten Engagements von Fettes Brot, Cro und Stress dürften heuer auf diese Weise zustandegekommen sein.

Outkast in Montreux?
Dem gegenüber stehen Acts, welche man in nächster Zeit mit Sicherheit auf keinem anderen Schweizer Festival antreffen wird. Die Dienste von Macklemore & Ryan Lewis, M.I.A. und Wiz Khalifa hat man sich in Frauenfeld landesexklusiv gesichert. Andere Bands könnten gemäss Locher dagegen noch Auftritte in der Westschweiz geplant haben. Spekulativ lässt sich diese Aussage so deuten, dass Outkast bzw. Pharrell Williams vielleicht noch im Line-Up des diesjährigen Montreux Jazz (Programmbekanntgabe am 03. April) auftauchen könnten. Für das Paléo Festival in Nyon dürften zumindest André 3000 und Big Boi nicht mehr in Frage kommen, da für sie zwischen dem 18. und 20. Juli bereits wieder ein Festival in Amerika auf dem Tourplan steht.

Mit dem derzeitigen Stand des Vorverkaufs sind die Veranstalter sehr zufrieden. Es laufe besser als in den Vorjahren, heisst es. Das Open Air Frauenfeld profitiert dabei auch von seiner internationalen Ausstrahlung. Derweil der Kanton Thurgau hierzulande imagetechnisch als Ort zum «Leben und Sterben» proklamiert wird, geniesst das Hip-Hop-Festival vor allem in Deutschland soviel Beliebtheit wie kein anderes hiesiges Openair. «Über die Hälfte der ins Ausland verkauften Tickets gehen nach Deutschland», verrät Mediensprecher Joachim Bodmer. Für das Festival erweisen sich in diesem Fall die Partnerschaften mit den reichweitenstarken SWR und ARD als äusserst wertvolle Unterstützung.

Verschiedene Facetten des Hip-Hops

Zu seinem 20. Geburtstag präsentiert das Open Air Frauenfeld vom Donnerstag, 10. bis Samstag, 12. Juli 2014 einen mannigfaltigen Einblick in die Welt von Hip-Hop und R'n'B. Neben dem eingangs besprochenen Headlinertrio um Outkast, Macklemore & Ryan Lewis und Pharrell Williams trumpft das Festival dabei mit einigen Leckerbissen der Sorte Danny Brown und Earl Sweatshirt sowie dem selten in Europa tourenden T.I. auf. Bei den Oldschool-Ikonen von Mobb Deep bleibt angesichts ihrer jüngsten Absage am Royal Arena 2013 mit Spannung abzuwarten, ob sie ihren Auftritt in Frauenfeld wahrnehmen werden. Schliesslich ist mit M.I.A., Iggy Azalea und Angel Haze ebenfalls noch eine stattliche Ladung «Female Power» am Start. Den Überblick über alle bestätigten Bands und ihre (möglichen) Spieltage gibt es hier.

3-Tagespässe für das Open Air Frauenfeld 2014 sind zu Preisen ab 189 Franken bei Starticket erhältlich. 2-Tagespässe (Freitag/Samstag) und Tagestickets kommen zu einem späteren Zeitpunkt in den Verkauf.
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