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Donnerstag, 16. Oktober 2014, 11:54 Uhr. elb. Meistens klappt es, aber nicht immer: Konzerte auf Anhieb in die passenden Clubs zu buchen. Die daraus hervorgehenden Verlegungen fallen öfters nicht nach dem Gusto der Fans aus. Was spielt beim Locationwechsel alles eine Rolle? Das verschobene Konzert von Alt-J löste Unmut aus. Photo: Montage (Just Because/ Facebook, Alt-J) Das verschobene Konzert von Alt-J löste Unmut aus.
Macklemore & Ryan Lewis vom Komplex 457 ins Hallenstadion, Milky Chance vom X-Tra in die Maag Halle oder zuletzt Alt-J vom X-Tra in die Eishalle Deutweg: Beispiele gibt es genug, denn es ist kein neues Phänomen, dass Konzerte von einer Location in eine andere verschoben werden. In unregelmässigen Abständen passen Veranstalter im In- und Ausland ihre Shows auf diese Weise an die vorhandene Nachfrage beim Publikum an.

Was aber braucht es, damit bei einem Konzerthinweis ein «Achtung: neue Location» hinzukommt?

Zum Wohle aller
Wird der Auftritt in eine kleinere Location verlegt, ist der Fall klar: Im Vorverkauf gehen zu wenig Tickets weg. Zuletzt zu beobachten beispielsweise bei der britischen Indie-Rockband Kasabian, deren Konzert vom 04. November in Zürich vom Hallenstadion in die deutlich kleinere Maag Halle verlegt wurde. Zum Wohle aller Beteiligten: «Mit einem Downgrade kann der Veranstalter Kosten sparen und den Verlust minimieren. Dazu muss die Band nicht vor halbleeren Rängen spielen», sagt Olivier Joye. Er ist Booker bei der Zürcher Agentur Gadget, die demnächst neben Kasabian unter anderem auch für die Schweizer Auftritte von Ed Sheeran und The Black Keys verantwortlich ist.

Weitaus öfter zu beobachten ist aber, dass ein Konzert in eine grössere Location verlegt wird. Wenn sämtliche Tickets innerhalb kurzer Zeit bereits vergriffen und der Aufschrei meist gross ist, weil viele Fans leer ausgegangen sind. Die Veranstalter, die im wöchentlichen Austausch mit den Agenturen und Managements der Bands den Vorverkauf analysieren und Werbemassnahmen diskutieren, sprechen in so einem Fall Empfehlungen aus. «Ob eine Show aber schliesslich verlegt wird, darüber entscheiden allein die Bandmanagements», sagt Martin Schrader, Booker bei Mainland Music, einer weiteren prominenten Konzertagentur in der Schweiz.

Möglichst ähnlich
Upgrades verursachen standesgemäss mehr Wirbel. Nicht nur, wenn sich im schlechtesten Fall mit der Verlegung das Datum oder die Stadt ändert, sondern auch wenn es aufstrebende Acts betrifft, die kurz vor einem weiteren Karriereschritt stehen und so vermutlich ein letztes Mal noch im kleineren Rahmen zu sehen gewesen wären. Dann kommt für die Veranstalter laut Schrader die grösste Schwierigkeit einer Hochverlegung zum Tragen: «Eine Location mit ähnlicher Atmosphäre zu finden - vor allem bei Clubshows, wo der Charme der Lokalität viel zum Konzerterlebnis beiträgt.»

Beides Punkte, die beim Standortwechsel des Konzerts von Alt-J am 13. Februar 2015 vom Zürcher X-Tra in die «kühle» Eishalle Deutweg nach Winterthur nicht erfüllt worden sind und somit zu Recht bemängelt werden. Dass die Tickets in der neuen Location mehr kosten, ist allerdings normal: «Entgegen der naheliegenden Annahme verhalten sich Showkosten nicht proportional zur Kapazität», sagt Olivier Joye von Gadget. Produktionen in grösseren Hallen bedeuten auch für die Veranstalter grösseren Aufwand und sind nicht unbedingt profitabler als eine ausverkaufte Show in einer kleineren (günstigeren) Location.

Je nach Strategie
Gleichwohl werden bei weitem nicht alle Shows verlegt, die das Potenzial dazu hätten. Warum eigentlich? Im Fall des zum Beispiel längst ausverkauften Konzerts von George Ezra im Herbst hänge es einerseits mit «ungünstigen Ausweichmöglichkeiten, aber auch dem Wunsch des Managements zusammen», so Joye. Für den nachhaltigen Aufbau einer Künstlerkarriere sind grösstmögliche Locations nicht immer förderlich. Für den Fall, dass für einen späteren Zeitpunkt in absehbarer Zukunft bereits eine nächste Tour geplant ist, wird in der Regel ebenfalls auf ein Upgrade verzichtet.

Bleibt noch eine weitere Möglichkeit übrig, warum ein Konzert nicht verlegt wird: Wenn auf Anhieb die «richtige» Location gefunden wurde. Ist meistens der Fall, aber eben gar nicht so einfach. Einerseits haben die Bandmanagements ihre genauen Vorstellungen: Neben den üblichen Faktoren wie Ort, Fassungsvermögen, Technik und Bühnengrösse wird dabei gemäss Martin Schrader auch nach Stimmungen gesucht: «Punkbands wollen zum Beispiel nicht ins Kaufleuten.»

Andererseits spielen bei der Auswahl einer Austragungsstätte neben derer Verfügbarkeit viele unabsehbare Faktoren eine Rolle, so dass «bei aller Erfahrung niemand im Voraus exakt einschätzen kann, wie viele Leute wirklich an ein Konzert gehen werden», sagt Schrader und liefert mit der «downgegradeten» Show von Mando Diao (am 24. November im Komplex 457) ein passendes Beispiel. Nach dem Erfolg ihrer vorangegangenen Tournee sei man davon ausgegangen, dass es wieder ähnlich gut laufen würde. Dem ist nun aber doch nicht so, da das Konzert der Schweden vor dem Release des neuen, mässig erfolgreichen Albums gebucht worden war.

Der Reiz des Unabsehbaren
So verkommt die Wahl der optimalen Location für die Croupiers im Bookingbüro gezwungenermassen ab und zu zum (reizvollen) Glücksspiel. Mit dem Risiko, dass für die Fans am Ende halt nicht immer die «richtige» Farbe herausspringt.

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