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Sonntag, 09. Juli 2017, 17:34 Uhr. elb. Übertrumpft das Gurtenfestival dieses Jahr das Open Air St. Gallen? Völlig abwegig scheint es nicht. Die grosse Vorschau auf die Ausgabe 2017. Diese Woche ist es soweit: Hände hoch fürs Gurtenfestival 2017! Photo: Gurtenfestival / konzertbilder.ch Diese Woche ist es soweit: Hände hoch fürs Gurtenfestival 2017!
Eine runde Sache wars, das Open Air St. Gallen 2017. Rund im Sinn von «ganz gut». Rund aber auch im Sinn von «glatt». Heisst: mit zu wenig Ecken, zu wenig Kanten.

Dabei ist das doch eigentlich das Gesicht des Gurtenfestivals!

Es, das jahrelang für seine konformen Line-Ups bekannt war, nicht gerade vor Mut strotzte.

Ähnlicher geworden
Zwischenzeitlich aber – und das darf man als Kompliment betrachten – schafft es selbst das Gurtenfestival, gelegentlich Ecken und Kanten in sein Line-Up zu streuen. Sich jener musikalischen Ausrichtung anzunähern, die das Open Air St. Gallen zuletzt immer wieder ausgezeichnet hat.

Sicherlich eine Rolle spielt dabei, dass sich die Booker der beiden Festivals mit ihren Firmen zusammengetan haben. Seit Herbst 2015 sind sie unter der Dachmarke wepromote vereint.

Und schon stecken wir mitten in der Vorschau auf das am Mittwoch beginnende Gurtenfestival. Und auch diese wird geprägt von Verbindungen zum Open Air St. Gallen.

So könnte ein ganz bestimmter Act die Rangliste der Hauptbühne «gewinnen». Wie er es vor zwei Jahren im Sittertobel schon tat – und zwar zum Erstaunen zahlreicher Zaungäste. Ein Act, der die Musikfans verschiedenster Genres und Altersklassen gleichermassen beeindruckte. Aber dazu später mehr.



Beginner: Diese schlauen Füchse

Beginnen wir mit den Beginnern. (Samstag. Hauptbühne. 2145) Die jüngste Show der alten Füchse am Open Air St. Gallen 2017? Sehr schlau konzipiert, sehr kurzweilig, sehr unterhaltsam, sehr hitlastig – und mit einem cleveren Bühnenbild. Allzu viel soll deshalb nicht verraten werden. Ausser: Die Hip-Hop-Legenden aus dem hohen Norden Deutschlands hievten sich damit mit aufs Podest der besten Konzerte des Festivals. Höhö.

Kantig: Royal Blood und Nothing Blood Thieves

Gleich drei Stunden am Stück mit erwünschten Ecken und Kanten bringt der Eröffnungsabend – mit Exponenten jener Sorte britischer Rockbands, die man dieses Jahr in der Ostschweiz schmerzlich vermisste: Royal Blood (Mittwoch. Hauptbühne. 2015.) und Nothing But Thieves (Mittwoch. Zeltbühne. 1900.). Erstere schroff, zweitere melodisch. Beide gross.

Rag'n'Bone Man: Sauber, aber..

Was war denn das? Drei Mal hat sich diese Frage bei ihm schon gestellt. Bei Rag'n'Bone Man, diesem ursympathischen Briten, ausgestattet mit gemütlichem Schlabberlook, ansteckendem Grinsen und grandioser Gänsehautstimme.

• Einmal bei seinem Heimspielkonzert am The Great Escape 2016 in Brighton. 600 Zuschauer so: Wow.

• Einmal am Open Air St. Gallen wenige Wochen danach. Samstag, 1330. Einer der undankbarsten Slots. Und alle hat er sie um den Finger gewickelt. Rund 1500 Zuschauer so: Wow.

• Und dann noch dieses eine Mal diesen Frühling. Halle 622, Zürich, 3800 Zuschauer, ausverkauft. Nach Platz 1 mit dem Debütalbum in zahlreichen europäischen Charts nicht verwunderlich. Und auch kein Problem – wäre da nicht dieses Korsett, in das Rag'n'Bone Man in der Zwischenzeit gezwängt worden ist: seine Songs auf einmal vielfach versehen mit unpassenden Synthie-Strings, seine Solo-Gesangsparts auf einmal ständig untermalt mit unnötigen Backingvocals, seine Trainerhosen auf einmal ersetzt durch ein stylishes Outfit. Nicht wow.

#ragnboneman #thebitterend #human #imintrouble #zurich #halle622

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Da ist der Dreck: Faber und Fil Bo Riva

Bleiben wir bei prägnanten Stimmen. Und nehmen bei Faber (Donnerstag. Zeltbühne. 1715) gleich noch grosse Texte mit dazu – und eine äusserst gute Art, sich auf der Bühne zu präsentieren: Ergo zurecht einer der derzeit wohl meistgehypten Schweizer Acts.

Mit der stilistischen Vielfalt Fabers kann Fil Bo Riva (Mittwoch. Zeltbühne. 1615) nicht mithalten, dafür aber mit einer äusserst angenehm kratzigen Stimme, die sich eindringlich über melodramatische Melodien legt. Für Fans von Milky Chance.



Jack Garratt und Kate Tempest: Britische Magie

Vorwarnung: Es wird auf dem Güsche das einzige Schweizer Konzert 2017 von Jack Garratt, dem Hexer. (Mittwoch. Zeltbühne. 2145.) Noch nie vom Briten gehört? Dann wirds höchste Zeit! Auf einer Kanzel umgeben von Synthesizern und Schlaginstrumenten, mit umgehängter Gitarre und starker Stimme, liefert Garratt eine energische Ein-Mann-Liveperformance in eindrücklichem Licht ab, die seinesgleichen sucht.



Ähnlich verblüffend: die Textkunst der Kate Tempest (Samstag. Zeltbühne. 1715.), der mehrfach ausgezeichneten Lyrikerin, Theater- und Romanautorin. Grosses Theater! Wo der stürmische Nachname Programm ist. Die einzige Sorge: Unter der Zeltbühne des Open Air St. Gallen 2015 gingen Tempests geniale Geschichten – wo jedes Wort so wichtig ist – akustisch unter. Wird das auf dem Gurten ähnlich sein?

Und wird es bei Asgeir (Samstag. Zeltbühne. 2030.) ähnlich sein? Dem Isländer, dessen Sound wie ein Geysir: wunderschön, mystisch, ruhig. Aber eben auch fragil – zu fragil für das Gurtenfestival?

Berner Zauberer: Jeans For Jesus und Mario Batkovic

(Be)zaubern können aber auch die Berner..

• Einmal modern: mit Jeans For Jesus (Donnerstag. Zeltbühne. 2315.) – vielschichtig, mit einem Meilenstein im Köcher.

• Einmal volkstümlich: mit Mario Batkovic (Freitag. Waldbühne. 2315.), dem Virtuosen am Akkordeon – mit magischen Melodien und sorgfältig konstruierten Spannungsbögen.

(Über)trumpfen können die Berner ebenso – mit ihrer Waldbühne. Batkovic teilt sie sich mit 18 weiteren vielversprechenden Schweizer Bands. Die da zum Beispiel wären Len Sander. (Freitag auf Samstag. Waldbühne. 0200.) Oder Nemo. (Donnerstag. Waldbühne. 2045.)

Und hierbei sticht das Gurtenfestival sein Ostschweizer Pendant ausserordentlich aus: Wo man mit der Waldbühne den (noch) nicht ganz so namhaften, nationalen Newcomer attraktive Auftrittszeiten bis tief in die Nacht anbietet. Und man sie nicht an den Randzeiten am frühen Nachmittag vor spärlich erscheinendem Publikum versauern lässt.

Und zum Schluss noch dies: Soulwax und ..?

Dass das Gurtenfestival seinen Sonntag gestrichen hat, mag für Verstimmung gesorgt haben. Es macht aber angesichts der krassen Konkurrenzsituation in Europa an diesem Juli-Wochenende (u.a. FIB - Benicassim, Latitude, Musilac, Vieilles Charrues, Dour, Super Bock Super Rock, Longitude, Melt!, Lovebox) so Sinn. Und es bringt einen wesentlichen Vorteil: auf einem nächtlichen Höhenflug berauscht abzuschliessen statt andächtig ausplämperlen zu lassen.

Das rumplige Schlussbouquet mit Schlagzeug en masse werden denn auch die beiden belgischen Brüder Dewaele mit ihrer Band bieten: ein elektronisches Rhythmus-Feuerwerk, ein «berauschendes Soulwax-Gewitter». (Samstag auf Sonntag. Zeltbühne. 0200.)

Und den Abschluss der Hauptbühne wird ebenjener Act besorgen, der vor zwei Jahren das Open Air St. Gallen «gewann». Ein Act, der die Musikfans verschiedenster Genres und Altersklassen gleichermassen beeindruckte. Sein Name? Marteria!

hallo #marteria, Sie haben gerade das #openairsg 2015 gewonnen ?

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Live-Impressionen vom Mittwoch und Donnerstag am Gurtenfestival 2017 gibt es dann im übrigen drüben bei Instagram zu begutachten.

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