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So war Ben Howard an den Musikfestwochen

Fast wie im Märchen

Dienstag, 25. August 2015, 09:45 Uhr. elb. Einmal mehr passt an einem Konzert an den Musikfestwochen nahezu alles zusammen: Ben Howard beschliesst im Winterthurer Regen mit einem überzeugenden Set die 40. Ausgabe des Altstadtfestivals. Ben Howard: Gross und noch grösser in Winterthur. Photo: openairguide.net Ben Howard: Gross und noch grösser in Winterthur.
Has the world gone mad or is it me? Ehe der britische Singer-Songwriter Ben Howard zum Auftakt seines Abschlusskonzertes der 40. Musikfestwochen in «Small Things» zweifelnd nachfragt, gibt es eh schon kaum Zweifel mehr. Bereits schaudert es ein erstes Mal. Bereits ist klar, dass - wie vor drei Jahren bei Sigur Ros - der Wettergott einmal mehr persönlich für das bestmögliche Konzertambiente in der Winterthurer Altstadt besorgt scheint. Denn wenn die schwermütigen Songs von Howard durch die Steinberggasse hallen, muss es dazu einfach regnen.

Gut drauf
Obwohl: Dieses Mal erweckt es den Eindruck, dass diese meteorologische «Unterstützung» für den 28-jährigen Londoner gar nicht nötig wäre. An diesem Augustabend präsentiert er, der in der Vergangenheit doch schon ab und an Auftritte eher unterkühlt bestritten hatte, sich ungewohnt gelöst - sei es im Umgang mit seiner siebenköpfigen Band oder als er sich schon fast überschwänglich beim Publikum bedankt (und man für einmal auch eine seiner vernuschelten Ansagen versteht).

Diese positive Haltung spiegelt sich denn auch marginal in der Setlist wieder. Im Vergleich zu seinem letzten Deutschschweizer Solokonzert vergangenen Herbst im Zürcher X-Tra («Das andere Konzept») hat Ben Howard für die Sommerfestivals nämlich mit dem aufmunternden «Keep Your Head Up» einen seiner grössten Hits wieder mit ins Repertoire aufgenommen und somit für die weniger eingefleischten Fans immerhin zwei seiner fünf bekanntesten Songs im Set dabei.

Ein kahler Baum
Eine ganz wesentliche Veränderung zum Konzert in Zürich gibt es zudem in produktionstechnischer Hinsicht. Spielte die Band im X-Tra noch - von vereinzelten Scheinwerferausbrüchen abgesehen - mehrheitlich nahezu abgedunkelt, ist der Bühnenhintergrund an den Musikfestwochen vollends mit einer LED-Leinwand ausgestattet, die die Show massgeblich aufwertet. Mittels auf der Bühne montierter Kugelkameras und etlichen Filtern versehen, werden so beispielsweise bei besagtem «Keep Your Head Up» die Musiker oder auch der Bühnenausblick über die Steinberggasse live in die Visuals eingespeist. Glanzstück der audiovisuellen Komposition bildet dann jedoch das schlicht und umso wirkungsvoller untermalte «Black Flies», wo weisse Scheinwerfer und eine Schwarz-Weiss-Kamerafahrt rund um einen kahlen Baum die rund 3500 Zuschauer in ihre ganz eigene Welt eintauchen lassen.

Überhaupt gerät das anderthalbstündige Konzert mit dem Mittelteil zu einem formidablen Selbstläufer melancholischer Machart. Neben den beiden erwähnten «Black Flies» und «Keep Your Head Up» tauchen da mit «I Forget Where We Were» und «Conrad» zwei weitere Songperlen auf, ehe gegen Schluss nicht nur das so gross ausbrechende «End Of The Affair» auf dem Programm steht, sondern auch eine richtig schön verschleppte, neue Version von «The Fear» und insbesondere das umwerfende «Esmerelda» als einzige Zugabe, wo Ben Howard zum wiederholten Male seine Gitarrenkünste unter Beweis stellt, wo Rauchschwaden im Hintergrund über die Leinwand ziehen, wo man im Geist mit davondriftet und wo man sich nicht das erste Mal an diesem Abend fast wie in einem Märchen wähnt.

Mit rund 55’000 Besucherinnen und Besuchern an 12 Tagen ist die 40. Auflage der Winterthurer Musikfestwochen dieses Wochenende zu Ende gegangen. In einer Medienmitteilung sprachen die Veranstalter von einem «vollen Erfolg».


Auf ein Neues - hallo #steibi, hallo #musikfestwochen. ???? #ambiente #mfw15

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