Startseite   ›  Magazin   ›  Das war das Gurtenfestival 2017: Harmonie auf dem Hügel
Sonntag, 16. Juli 2017, 01:03 Uhr. elb. Die ersten zwei Tage am Gurtenfestival 2017 belegen einmal mehr, warum das Festival über Bern das harmonischste aller grossen Deutschschweizer Openairs ist. Das Highlight von Tag 1 und 2 am Gurtenfestival 2017: Lo & Leduc. Photo: instagram.com/openairguide Das Highlight von Tag 1 und 2 am Gurtenfestival 2017: Lo & Leduc.
Nach asiatischen Nudeln riecht es. Und nach Rösti. Und es geht nicht vorwärts. Es ist der erste Abend am diesjährigen Gurtenfestival. Der Gang an den Essensständen vorbei wird zur Geduldsprobe.

20'000 Menschen haben sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Güsche zusammengefunden – zum ersten Mal schon ab einem Mittwoch. Ebensoviele werden es an den verbleibenden drei Tagen jeweils sein: Das Festival ist restlos ausverkauft.

Dass nun aber jemand im Gedränge die Nerven verlieren würde, weil es gerade nur sehr gemächlich vorangeht? Nicht in Bern. Und schon gar nicht am Gurtenfestival.

Alles wird eins

Was für den Food-Bereich gilt, gilt für den Hang vor der Hauptbühne umso mehr: Harmonie pur auf dem Hausberg. Die Liegeplätze längst verteilt, auf Tüchern und unter Sonnenschirmen haben es sich unzählige Gäste gemütlich gemacht. Ganze Familien sind da, bis ganz nach hinten oben wird bei Gelegenheit mitgesungen. Und mittendrin feiert ein frisch vermähltes Paar in sommerlich-festlichem Gewand seinen grossen Tag – tanzend, strahlend, küssend und immer wieder von fremden Festivalbesuchern umarmt und beglückwünscht. Harmonie auf dem Hügel überall.

Das gelebte Gemeinschaftsgefühl gibt es auf dem Gurten oben auch von den Bühnen herab. Drei Beispiele:

• Minutenlang ist die Rede von «Monchi», dem Sänger der deutschen Punk-Band Feine Sahne Fischfilet. Unaufhörlich bedankt und bedankt er sich am frühen Donnerstagnachmittag bei den Zuschauern der Zeltbühne für den treuen Support. Mutmasslich solange, bis auch der hinterletzte Fan die Aufrichtigkeit dieser Worte aufgeschnappt hat. Das bald darauffolgende Bad in der Menge – nach amüsantem Abschrankung-Überkletterungs-Malheur – hat sich «Monchi» verdient.

• Gut 15 Minuten lang kann Noah Veraguth während des Auftritts seiner Band Pegasus sein kleines Geheimnis verbergen. Dann schnellen in den vorderen Reihen des Publikums plötzlich über ein Dutzend farbige Papierschilder in die Höhe: «Happy Birthday!» Ein noch breiteres Grinsen als üblich kann sich Veraguth nicht verkneifen. Und auch das unbeteiligte Publikum nicht. Aus verständlichem Grund: Diese Fan-Überraschungsaktion? Wirklich gut.

• Etwa rund zwei Minuten lang: Der eindringliche, weil in seiner Form packende Aufruf Macklemores zu Toleranz. Wird zwar in diesen Zeiten und gerade auch bei Auftritten von US-Acts als solches gerne (bis hin zu inflationär) dargeboten, ging auf diese Art aber absolut in Ordnung.

#MacklemoreAndRyanLewis?? #sosorrybut #fuckTrump

Ein Beitrag geteilt von Aslihan Kaya (@samsonanddalila) am



This was fucking unterhaltsam

Den ganz grossen Applaus holen sich Macklemore und sein Weggefährte Ryan Lewis schliesslich zum Schluss ihres Sets ab. Denn das Duo untermauert am Mittwochabend seinen Status als sattelfestes Zugpferd des Gurtenfestivals 2017.

Als einziger Hauptact des Format «Hallenstadion» sorgt es für den wohl grössten Menschenauflauf vor der Hauptbühne in diesen Tagen – und hinterlässt ein begeistertes Publikum. Zu Recht. Denn dem fortwährend aufrecht erhaltenen Unterhaltungswert der musikalisch zwar nicht über alle Zweifel erhabenen, aber nahezu perfekt konstruierten Show kann sich keiner entziehen. Kein Vergleich zu vergangenen Auftritten, nun wird mehr gerappt und gesungen als zwischen den Songs gesprochen.

This was fucking unterhaltsam ?? #macklemore #ryanlewis #andwedanced #thriftshop #gurtenfestival #gurtenfestival17

Ein Beitrag geteilt von openairguide.net (@openairguide) am



Wenige Stunden zuvor an selber Stelle ebenfalls eine erfreuliche Überraschung: der britische Shootingstar Rag'n'Bone Man, der die Hauptbühne als erster Act eröffnet. Was im Frühling in Zürich noch scheiterte, funktioniert als Festivalset auf dem Güsche tadellos: Gänsehautmomente garantiert.




Überhaupt bietet der (von allen vier Tagen am namhaftesten besetzte) Eröffnungstag die besten Argumente, warum der bookingbedingte Entscheid der Verantwortlichen richtig war, das Festival von Mittwoch bis Samstag statt von Donnerstag bis Sonntag auszutragen. Royal Blood und Nothing But Thieves legen offen, warum jedes grosse Schweizer Festival mindestens einen solchen Rockact am Tag im Line-Up haben sollte. Und Jack Garratt verblüfft mit seiner Einmannshow einmal mehr. Der Brite ist der Mann, der alles kann: egal ob Gesang oder Gitarre, Synthesizer oder Schlagzeug. Und Schalk gleich noch mit dazu.




Switzerland: 12 points

Der zweite Festivaltag mündet derweil in einem Triumph der Schweizer Musikszene – und an sich auch des Gurtenfestivals, das es hingebracht hat, an seinem Donnerstag gleich drei der derzeit angesagtesten nationalen Live-Acts für die breite Masse zu programmieren.

Da ist der Jüngste im Bunde: Der Bieler Rapper Nemo, der mit feinem Flow und extremer Energie über die Waldbühne wirbelt, als ob er dies seit Jahren schon tut. Der grossen Menschenmenge am Steilhang gefällt das gut.

Finde #nemo ?? #flow #wirbelwind #bnc #talent #himalaya #kebock #nice #waldbühne #gurtenfestival #gurtenfestival17 #gurten

Ein Beitrag geteilt von openairguide.net (@openairguide) am



Da ist der aktuelle Meistgehypte im Lande: der Zürcher Liedermacher Faber. Bei dem eine (zu) anspruchsvolle Konzertdramaturgie, mit einem mutigen Mittelteil aus gleich drei langsamen Songs hintereinander, im Fazit nicht mehr allzu gross ins Gewicht fällt. Zu gut Fabers Stimme, zu gut seine Texte, zu gut seine Band, zu gut die wiederholten musikalischen Finessen, zu gut das hübsch hergerichtete Botanik-Bühnendekor.



Und da sind insbesondere Lo & Leduc. Das Heimspiel des Berner Duos – zum ersten Mal auf der Hauptbühne des Hausbergs - gerät zum Siegeszug. Wo Band (mit äusserst ansehnlicher Outfit-Direktive) und Publikum eins werden. Wo die anderthalb Stunden Spielzeit im Nu verfliegen. Wo offenbart wird, dass der Aufstieg der beiden absolut Sinn macht. Und wo – wenn man denn einen grossartigen Moment dieses Sets explizit hervorheben möchte – sich zeigt: Lo's Freestyle wie das Gurtenfestival 2017. Leider geil.



srf.ch: Das ganze Konzert von Lo & Leduc am Gurtenfestival 2017
srf.ch: Alle Live-Mitschnitte vom Gurtenfestival 2017 auf einen Blick



Festival No. 7 im 2017: Grüessech, Güsche! ?? #gurtenfestival #gurten17 #gurtenfestival17 #festivals

Ein Beitrag geteilt von openairguide.net (@openairguide) am


Oh, wow! ???#thinkingaboutyou #bitterend #gurtenfestival #ragnboneman #human #dontputablameonme #gurtenfestival17 #gurten

Ein Beitrag geteilt von openairguide.net (@openairguide) am


Meistgelesen

Kontakt - Impressum - Mediadaten
© openairguide.net - seit 2005 - Alle Rechte vorbehalten.